Chess

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Jedes Jahr wird mittlerweile der beste Schachcomputer der Welt in einer aufregenden Weltmeisterschaft ermittelt. Schön, dass Sie den Weg auf meine Seite gefunden haben, die sich diesem Kampf der Rechenmaschinen widmet. Den Anstoß für chess003.at gab die Schachcomputer-Weltmeisterschaft im Jahr 2003. Diese wurde in Graz abgehalten und dort bin ich zum ersten Mal so richtig auf dieses Event aufmerksam geworden.

Bei der ersten Schachcomputer-Weltmeisterschaft im Jahr 1974 in Stockholm (Schweden) gab es 13 Teilnehmer. Seinen Höhepunkt erlebte die WM 1999 in Paderborn (Deutschland), als 30 Computer um den Titel spielten. Seit 2015 wird die Weltmeisterschaft immer in Leiden (Niederlande) ausgetragen, wobei die Teilnehmerzahl immer weiter schrumpft. 2015 waren es immerhin noch neun Programme, als sich Jonny zum besten Schachcomputer krönte. 2016 dann nur noch sechs und 2017 lediglich vier Programme, die sich bei der WM miteinander maßen. Beide Male gewann Komodo.

Darüber hinaus wird im Rahmen des Turniers auch die beste Schachsoftware ermittelt. Dafür werden alle Programme auf ein und demselben System zum Laufen gebracht, um die Rechenleistung für alle gleich zu machen. Seit 2010 gibt es diesen Wettbewerb. Komodo konnte sich auch dort im Jahr 2016 den Titel sichern, musste sich allerdings ein Jahr später dem Programm Shredder geschlagen geben.

Schachcomputer Komodo

Ursprünglich wurde Komodo das erste Mal bereits im Januar 2010 vorgestellt. Es vergingen sechs Jahre bis die Entwickler – Don Dailey, Mark Lefler und Larry Kaufman – damit den ersten Computer-Schachweltmeistertitel unter Dach und Fach bringen konnten. Bereits zuvor machte die Software jedoch schon auf sich aufmerksam und schloss in anderen Wettbewerben exzellent ab.

Komodo ist in vielerlei Hinsicht ein besonderes Projekt im Computerschachbereich. Es versteht es den Aspekt des Positionsschachs besser als jedes andere Programm (und wohl auch jeder Mensch) in seine Züge einzubauen. Dadurch hat es gegenüber seiner Konkurrenz einen entscheidenden Vorteil. In scheinbar aussichtlosen Situationen oder Situationen, die für gewöhnlich zu einem Unentschieden führen, findet das Programm kreative Lösungen und kann das Blatt zu seinen Gunsten wenden.

Schachcomputer Komodo

Komodo ist im Internet frei erhältlich

Komodo wird im Internet jedem angeboten, der daran interessiert ist sein Spiel auf ein neues Level zu heben. Es besteht die Möglichkeit sein Spiel kostenlos mit einer etwas älteren Version von Komodo zu verbessern. Die neuesten Versionen sind ebenfalls erhältlich, kosten allerdings einen jährlichen Beitrag. Für Großmeister und solche die es werden wollen, ist die Nachbearbeitung und Verbesserung seines Spiels mit solch einem Programm heutzutage fast schon ein Muss.

Graz 2003 Schachcomputer-Weltmeisterschaft

Graz war 2003 der Austragungsort der Computerspiel-Olympiade in deren Rahmen Weltmeisterschaften zwischen vielen Computerprogrammen stattfanden. Zu den Spielen gehörten unter anderem Schach, Backgammon, japanisches Schach, Go, Hex und 100-Felder-Dame. Die Computerschach-Weltmeisterschaft konnte das Programm Shredder im Stechen gegen das damalig bekanntere Programm Fritz für sich entscheiden.

Shredder und Fritz konnten beide 9,5 Punkte in elf Spielen ansammeln. Der Sieger aus dem Vorjahr, das Programm Junior, konnte lediglich 9 Punkte einspielen und musste sich diesmal mit dem dritten Platz zufriedengeben. Es kam also zum Stichkampf zwischen den beiden punktgleichen Spitzenreitern. Diesen konnte Shredder etwas überraschend mit 1,5 zu 0,5 Punkten gewinnen und sich zum ersten (und einzigen) Mal Schachcomputer Weltmeister schimpfen.

Graz 2003 Computerspiel-Olympiade überschattet von Skandalen

Allerdings wurde das Event von zwei Skandalen überschattet. Ein Teilnehmer wurde noch vor Turnierbeginn vom Wettbewerb ausgeschlossen. Der Programmierer weigerte sich seinen Quellcode preiszugeben, um einen Verdacht aus dem Weg zu räumen. Mehrere Experten vermuteten sein Programm benutze einen zugänglichen Open Source Code eines populären Schachprogramms.
Der zweite Skandal hatte große Auswirkungen auf den späteren Sieger. Shredder leistete sich einen Fauxpas. Das Programm lag in einem Spiel klar in Führung und war bereits der sichere Sieger. Doch dann ließ Shredder eine dreifache Stellungswiederholung zu, was viele Fragen aufwarf. Zum einen hätte sein Gegner das Spiel als Unentschieden deklarieren können, tat es aber nicht. Zum anderen stellte sich die Frage, warum Shredder es überhaupt dazu kommen ließ!?

Die erste Frage ist schnell beantwortet. Das Programm wies auf ein mögliches Unentschieden entsprechend der Regeln hin. Doch der Programmierer hielt dies für nicht angebracht, da Shredder in klar besserer Position den Sieg quasi sicher hatte. Wäre das Spiel mit Unentschieden gewertet worden, wäre es nicht zu einem Stechen gekommen. Eine Antwort auf die zweite Frage ist etwas komplizierter. Es ist zu vermuten, dass Shredder diese Sonderregelung schlicht und einfach nicht kannte. Wenn dem so gewesen ist, würde das einen klaren Wettbewerbsvorteil bedeuten, da Shredder solche Stellungsabfolgen bei seinen Berechnungen nicht berücksichtigen muss.